Es ist wieder soweit: Das Rehwild wandert.
Im April und Mai erreicht die Migration junger Rehe ihren Höhepunkt – und jedes Jahr stellt sich dieselbe Frage:
„Warum ist der Bock plötzlich im Nachbarrevier – und warum wurde er dort erlegt?“
Die Antwort liegt nicht bei deinem Nachbarn, sondern oft bei dir selbst…
Warum Rehwild plötzlich wandert – und wohin
Im Frühling beginnt bei Rehen ein biologischer Prozess:
- Die Geiß vertreibt ihren Jährling, um Platz für das neue Kitz zu schaffen
- Die Jährlinge suchen neue Reviere, durchstreifen fremde Einstände
- Je höher der Populationsdruck, desto weiter müssen sie wandern
➡️ Die Wanderung ist keine „Sogwirkung“ des Nachbarreviers, sondern eine Flucht aus einem überlasteten Lebensraum.
Lebensraumkapazität – und was passiert, wenn sie überschritten wird
Die Kapazität eines Biotops hängt ab von:
- der Menge und Qualität der Nahrung
- Deckung, Ruhe und Strukturvielfalt im Einstand
- jagdlicher Ruhe und Stressfaktoren
Ist der Rehwildbestand nicht angepasst, kommt es zu:
- vermehrten Abwanderungen
- Konkurrenzdruck, Revierkämpfen, Krankheiten
- und in vielen Fällen: mehr Wildunfällen
Wildunfälle: Ein unterschätzter Effekt
Die Monate April und Mai sind auch die Hauptsaison für Wildunfälle – weil wandernde Jährlinge gezwungen sind, Straßen zu überqueren.
Ein angepasster Wildbestand am Ende der Jagdsaison senkt:
- die Unfallhäufigkeit
- die Gefahr für Verkehrsteilnehmer
- das Leiden durch angefahrenes Wild
➡️ Wildregulierung ist aktiver Tierschutz und Verkehrssicherheit!
Jagdrechtlich betrachtet: Rehwild gehört niemandem
Ein weitverbreiteter Irrtum:
„Der Nachbar hat meinen Bock geschossen!“
Doch laut Gesetz ist Wild herrenlos, bis es erlegt ist.
Diese Regel schützt den Frieden zwischen Reviernachbarn – und stellt klar:
Kein Reh gehört einem bestimmten Revier.
Wenn ein Bock abwandert, liegt es selten an zu hoher Bejagung im Nachbarrevier – sondern an fehlender Regulation im eigenen Gebiet.

Mangelnde Nahrung = Frühwanderung = Problem
Ein extremes Beispiel:
Im vorletzten Jagdjahr setzte die Wanderung bereits im Januar ein – wegen einer ausgebliebenen Mast.
Rehe verließen ihre angestammten Einstände, weil nicht genug Futter vorhanden war.
Das zeigt eindrücklich:
- Überhöhte Bestände sind tierschutzrelevant
- Sie gefährden Tierwohl und Lebensraum
- Sie führen zu Stress, Krankheiten und Ausfall der natürlichen Regulation
Fazit: Balance statt Besitzdenken
Wenn du möchtest, dass das Rehwild in deinem Revier bleibt:
- Reguliere den Bestand jagdlich sinnvoll
- Schaffe Lebensraum durch Pflege und Ruhe
- Reduziere Populationsdruck frühzeitig – nicht erst im Mai
Nur so wird dein Revier attraktiv für Zuwanderung, statt Ausgangspunkt für Abwanderung.



